Ein fehlgeschlagener Widerstand – Sonic Forces Review

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29. November 2017
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Nachdem die 3D Sonic-Spiele in letzter Zeit leider nicht allzu gut bei den Spielern ankamen, versuchte man mit Sonic Forces wieder einen kleinen Erfolg einzubringen und die Serie in ein besseres Licht zu rücken. Doch leider ist es nicht so ganz geworden.

Vom Doktor zum Weltherrscher

In Sonic Forces erleben wir wohl erstmals eine Geschichte, die sehr interessant klingt. Alles fängt damit an, dass Dr. Eggman nur eine kleine Stadt angreift und dort für Angst und Schrecken sorgt. Nachdem selbstverständlich Sonic die anfangs gedachte Gefahr gebannt hat, macht sich schnell neue Gefahr in Form von Gegnern aus bekannten Zeiten breit, welche von einem neuen Bösewicht namens “Infinite” kontrolliert werden. Diese schaffen es tatsächlich Sonic zu besiegen, sodass ihn Dr. Eggman für ganze 6 Monate gefangen hielt. Innerhalb dieser Zeit nimmt Dr. Eggman die ganze Welt ein, während sich im verborgenen eine Alianz zwischen den Freunden von Sonic bildet, die gegen die Herrschaft von Dr. Eggman antreten will. Das ganze nimmt dann noch fahrt auf, nachdem sich Sonic befreit hat und sogar Classic Sonic sowie ein neuer Rekrut dem Team beitreten und gemeinsam arbeiten.

Die Befreiung der Welt

Die Aufgabe des Widerstands wird natürlich nicht einfach sein. Denn um die Welt zu befreien müssen wir uns in gewohnter Sonic-Manier durch ca. 30 verschiedene Level schlagen, welche entweder Level sind, wo man von A nach B laufen muss oder einen Bosskampf vor sich hat. Dabei gibt es genau 3 Charaktere, mit denen wir in den jeweiligen Leveln spielen müssen.

Der 1. Charakter ist der modere Sonic, bei dem die Level aus 3D und 2D Abschnitten bestehen und er seine typischen Fähigkeiten, wie z.B. den Homing Attack, benutzen kann.
Der 2. Charakter ist Classic Sonic, bei dem die Level klassisch nur von links nach rechts gehen.
Der 3. Charakter ist ein selbst erstellter Charakter, bei dem man aus einer großen Auswahl an Eigenschaften wie z.B. die Tierart oder der Farbe des Charakters ihn selbst zusammenstellen kann. Je nachdem, welche Tierart dieser Charakter ist, besitzt dieser auch eine andere Fähigkeit, so kann z.B. ein Vogel einen Doppelsprung ausführen und beim Igel verschwinden die Ringe nach einem Treffer langsamer usw. Seine Level sind dennoch gleich aufgebaut wie die vom modernen Sonic, jedoch gibt es je nach der Waffe, die euer Charakter trägt, andere Wege zu erkunden, um dieses Level auch zu schaffen.


(Über dem Charakter-Editor lassen sich so einige seltsame Kreaturen erstellen)

Das mag jetzt vielleicht alles wirklich gut klingen, weil es auch fast so wie in Sonic Generations war, aber der schein trügt. Jedes Level ist verdammt kurz. Sie lassen sich allsamt in 2 Minuten oder weniger durchspielen. Von dem Ablauf lassen sich die Level vom Modernen Sonic und vom eigenen Charakter fast automatisch beenden, da sie sehr sehr einfach aufgebaut sind und man höchstens nur noch wenig springen muss oder gar den Turbo-Knopf gedrückt halten kann, um ein Level abzuschließen. Das Spiel nimm dabei jegliche Kontrolle weg, obwohl man an den Stellen denkt, dass man hier immernoch selber Hand anlegt. Passieren tut in den meisten Level auch fast nichts. Bis auf einigen ausnahmen spielen sich die Level beinahe identisch, was dafür sorgt, dass man viele Level komplett vergisst und man auch nicht den Drang verspührt, diese level nochmal zu spielen. Die Level vom classic Sonic waren für mich eher nervig, was auch damit zusammenhängt, dass er einfach nicht hineinpasst. Kombiniert mit den kurzen, unspannenden Leveln und dem fehlenden Momentum (er wird sogar in den Leveln deutlich spürbar abgebremst) verlor ich sehr schnell die Lust daran, mit ihm auch nur ein weiteres Level zu spielen.

Über die komplette Hauptstory gesehen lässt sich das ganze Spiel samt Zwischensequenzen innerhalb von nur 3-4 Stunden durchspielen. Und das ist verdammt wenig. Alle 30 Level sind extrem kurz. Der großteil der Spielzeit besteht nur aus den Zwischensequenzen, welche auch absolut grauenvoll sind.

In allen Sonic-Ablegern sind wir uns ja Zwischensequenzen gewohnt, die durchaus als eher unwichtig in Erscheinung treten. Doch bei Sonic Forces… da haben sie den Vogel abgeschossen.
Problem Nr. 1: Die Geschichte, die währendessen erzählt wird, ergibt KEINEN SINN! Man hat das Gefühl, dass alle einen auf Vollidiot machen, nur damit der große Plot am Ende funktioniert. Alles, was erzählt wird, ist großer Müll und lässt den logischen Verstand kalt stehen.
Problem Nr. 2: Die Lokalisierung (zumindest in der Sprache Deutsch) ist grauenvoll. Wir kennen die Deutsche Stimme von Sonic sehr gut und schlecht ist diese nicht, aber je mehr ich mir das Gerede von ihm anhöre, umso verrückter werde ich. Neben den ganzen schlechten Sprüchen hört man deutlich heraus, dass Sonic wohl seine Pupertät nicht gut überstanden hat. Und auch weitere Voice-Actings sind mieserabel umgesetzt.
Problem Nr. 3: Die Story hat durch die Filmszenen große Zeitrisse, wo man nicht weiß, was dazwischen passiert. Ich wusste sehr oft nicht, wie viel Zeit zwischen den einzelnen Szenen vergangen ist. Plötzlich sind es nur noch 2 Tage, bis der große Untergang herrscht und dann nur noch wenige Stunden. Es ist einfach wie ein zusammengesetzter Film ohne einen Verfolgbaren Zeitstrahl.
Ich könnte jetzt sagen, dass man als Spieler dann einfach die Story weglassen kann und nur die Level spielen soll, doch dadurch, dass die Sequenzen fast das ganze Spiel einnehmen, ist es wichtig sich das anzuschauen, um trotzdem versuchen zu verstehen, was gerade passiert und warum man aktuell zum nächsten Ort hin muss. Dennoch behält man nicht den Überblick über das Geschehen.

(Classic-Sonic mal wieder in der Green-Hill-Zone. Sehr kreativ)

Ein technischer Zwiespalt

Kommen wir nun mal zu der Frage, wie sich Sonic Forces spielen lässt. Zuerst zum Thema Grafik und Performance auf dem PC: Es ist einwandfrei. Auch, wenn es Anfangs deutliche Probleme bezüglich Crashes gab, wurde diesen ab gleichen Tag noch behoben und gehen deshalb nicht in die Bewertung mit ein. Ansonsten läuft Sonic Forces auf gut ausgestatteten Rechner ohne Probleme mit stabilen 60fps. Dabei gibt es zwar wenig, aber dennoch ausreichende Optionen zum Einstellen der Grafik. Von der Optik her gehört Sonic Forces meiner Meinung nach zu dem schönsten Sonic-Spiel, welches ich je spielen durfte. Die unterschiedlichen Landschaften sehen beeindruckend aus, können aber im Verlaufe des Spiels für Ablenkung sorgen, da die Kamera oft weit herausgezoomt wird, sodass man den Charakter selbst mal gerne aus dem Auge verliert.
Hingegen nicht so gut gelungen ist die Steuerung. Für alle, die am PC spielen: Benutzt am besten einen Controller. Das wird selbst vom Spiel so empfohlen. Die Steuerung mag sich Anfangs noch sehr Gewöhnungsbedürftig anfühlen, allerdings wird es später deutlich, wie unschön und falsch die Steuerung sich anfühlt. In den 2D-Abschnitten merkt man deutlich, wie Sonic in der Luft abbremst und sich dann nur langsam bewegen kann. Und erst recht gegen Ende versagt dann die Steuerung komplett, indem es einige Befehle nicht erkennt, obwohl sie gerade eben noch funktionert haben. Und gerade bei den Abschnitten, die nur aus lauter kleinen Platformen besteht, merkt man erst wirklich, wie schlecht sich das Spiel steuern lässt, was auch zu schnellem Frust führen kann.

Das Fazit

Sonic Team hatte es wirklich versucht, aber anstatt doch einen halbwegs guten Ableger zu entwicklen, sind sie damit noch härter gegen die Wand gefahren, als man hätte denken können. Das Spiel ist viel zu kurz, die Gesichte ist eine Katastrophe, die Level auch zu kurz und unspannend und die Steuerung eine reine Zumutung. 40€ sind für so ein Spiel viel zu übertrieben und überhaupt nicht wert. Wer sich das wirklich antun will, sollte nicht mehr als 10€ dafür ausgeben.

textsms

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